Unwiederbringlich entflieht die Zeit

84'00'', AUT, Dokumentation

Unwiederbringlich Entflieht die Zeit ist eine Chronik über das Loslassen. In drei Tagesroutinen, still und humorvoll beobachtet,
begleitet die Filmemacherin ihre Großeltern bis in den Tod.

In dem ständigen Konflikt zwischen Enkelin und Filmemacherin,
ist sie gezwungen ihre Komfortzone zu verlassen.

So entsteht durch die Kamera ein Weg, sich mit dem Sterben auseinander zu setzen. Langsam bröckeln die altbekannten Routinen und es installiert sich eine Akzeptanz, dass die entfliehende Zeit unwiederbringlich ist.

Ein Portrait der Gegenwart.


Kamera Statement:

Die erste Tagesroutine habe ich als Bewerbungsfilm für die dffb gedreht. Damals wollte ich die, über 55 Jahre Ehe, eingespielten und vertrauten Routinen meiner Großeltern erzählen. Gekonnt meisterten sie damit Tag für Tag ohne sich wirklich etwas zu sagen zu haben. Der Tod meines Großvaters war für mich ein großer Verlust. Er war mir in meiner Kindheit ein zentraler Lehrmeister gewesen und ich hatte es versäumt mit ihm seine Haltung zum Tod zu diskutieren. Ich verspürte die Dringlichkeit diese Fragen meiner Großmutter zu stellen und begann nun sie alleine mit der Kamera zu begleiten. Ihre gesundheitliche Situation veränderte sich schlagartig und innerhalb von 12 Monaten war meine an Demenz erkrankte Großmutter ein Pflegefall.

Durch die Beobachtung mit der Kamera habe ich einen Ausdruck für meine Hilflosigkeit gefunden. Bekannte Routinen finden plötzlich nicht mehr statt und werden durch Notwendigkeiten ersetzt. Handwerkliches Können geht abhanden und stellt meine Großmutter vor die Aufgabe ihren neuen Zustand zu akzeptieren. Auch meine Position wird immer Fragwürdiger. Als Enkeltochter und Filmemacherin im ständigen Konflikt musste ich immer wieder aktuell entscheiden wie ich zu handeln habe. Diese ständige Diskrepanz zwang mich meine Komfortzone zu verlassen und da hin zu sehen, wo ich aus Angst, vor einer Konfrontation mit dem unabdingbaren Ableben, als Enkelin vielleicht weg geschaut hätte. Die Zeit schreitet voran und der körperliche Verfall ist unaufhaltsam. Langsam akzeptiert man, dass der Tod naht und auch kein Drama mehr darstellt. Der alte müde Körper bietet beinahe keine Lebensqualität mehr. Eine Außenstehende Person kompensiert das eigene Unvermögen um überlebensfähig zu bleiben. In unserer westlichen Gesellschaft wird der Tod, wie aber auch alte Menschen, beinahe aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Jede einzelne Familie hat seine ganz persönliche Geschichte, dieses Thema geht uns alle an und jede Kultur hat seine eigenen Routinen und Rituale und gibt eine Form für das Ableben geliebter Menschen vor. Diese ist die letzte Routine in meinem Film.

Dieser Film ist für mich kein Portrait meiner Familie sondern eher ein Abbild von einer persönlichen und gesellschaftlichen Fragestellung über das Altern, familiäre Verantwortung und den Tod. Das Loslassen der eigenen Fähigkeiten, sowie das Loslassen seiner Lieben als Angehöriger, steht für mich im Zentrum dieser Chronik.

Crew

Regie, Kamera & Schnitt: Carmen Treichl
Producer: Carmen Treichl & France Orsenne
Produzent: Carmen Treichl
Co-Produzent: DFFB – Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin

Cast

Emma und Friedrich Treichl
Carmen Treichl


Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *